Bin ich von der Umsatzsteuer befreit?

4 years ago

Grundsätzlich sind alle entgeltlichen Leistungen und Lieferungen eines Unternehmens gem. § 1 Abs. 1 UStG umsatzsteuerbar. Dies gilt auch für Freiberufler, ihre Tätigkeit ist umsatzsteuerlich genauso zu behandeln wie gewerbliche Tätigkeiten. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um Waren- oder Dienstleistungen handelt. Freiberufler gelten unabhängig davon, ob sie ein Gewerbe angemeldet haben oder freiberuflich tätig sind als Unternehmer und sind als „Einzelunternehmer“ daher grundsätzlich auch umsatzsteuerpflichtig. Entscheidend ist, ob sie mit ihrer freiberuflichen Tätigkeit dauerhaft und langfristig Gewinn erzielen.

Durch die Steuerpflicht sind sie im Gegenzug auch verpflichtet, die Umsatzsteuer auf allen Rechnungen auszuweisen.

Die Umsatzsteuer wird umgangssprachlich oftmals auch als Mehrwertsteuer bezeichnet.

Steuerbefreiungen

Bestimmte Umsätze sind jedoch steuerfrei. Welche Berufe von der Umsatzsteuerpflicht ausgenommen sind, kann im § 4 EStG nachgelesen werden. Medizinische Berufe wie beispielsweise Ärzte, Zahnärzte, Krankengymnasten und Heilpraktiker sind grundsätzlich umsatzsteuerfrei. Andere freie Berufe hingegen unterliegen der Umsatzsteuerpflicht, wie etwa Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Architekten etc.

Umsatzsteuersatz

Der Steuersatz beträgt grundsätzlich 19 %. Für Schriftsteller, Künstler und ähnliche Berufe gilt der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 %.

Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht

Unter bestimmten Bedingungen können sich Freiberufler nach § 19 UStG befreien lassen. Dies ist dann der Fall, wenn sie unter die „Kleinunternehmerregelung“ fallen, wenn der Umsatz des laufenden Kalenderjahres voraussichtlich 50.000 Euro nicht überschreitet und im vergangenen Jahr nicht mehr als 17.500 Euro betrug. In diesem Fall ist es möglich, sich von der Steuerpflicht befreien zu lassen. Wird dem Antrag stattgegeben, entfällt im Gegenzug allerdings auch die Möglichkeit des Vorsteuerabzugs.

Gerade im ersten Jahr der freiberuflichen Tätigkeit kann der Freiberufler nicht wissen, wie hoch der Umsatz ausfallen wird. Hier muss die voraussichtliche Höhe geschätzt werden.

Wird der Umsatz jedoch überschritten, ist die Umsatzsteuer nachzuzahlen.

Die Entscheidung für die Umsatzsteuerbefreiung bindet den Freiberufler 5 Jahre. Am Jahresende ist eine Steuererklärung einzureichen und es sind alle Einnahmen zu versteuern.

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Grundsätzliche Befreiung von der Umsatzsteuer für einzelne Leistungen

Nach § 4 UStG entfällt für bestimmte Leistungen die Umsatzsteuer. Hierzu gehören beispielsweise Lieferungen ins Ausland, Umsätze für Bahn, Post, Krankenhäuser und gemeinnützige Einrichtungen. Wird ein Teil des Umsatzes ohne Umsatzsteuer, ein Teil mit Umsatzsteuer generiert, dann können Vorsteuern auch nur im entsprechenden Verhältnis geltend gemacht werden.

Für wen lohnt sich die Umsatzsteuerbefreiung

Die Umsatzsteuerbefreiung kann sich insbesondere für Existenzgründer lohnen.

Kleinunternehmer haben den Vorteil, dass sie weder eine Umsatzsteuervoranmeldung noch eine Umsatzsteuerjahreserklärung abgeben müssen. Dadurch wird auch die Buchhaltung vereinfacht; für die Gewinnermittlung genügt eine einfache Einnahmenüberschussrechnung.

Durch die Fünfjahresbindung verzichtet der Freiberufler aber auch fünf Jahre lang auf den Vorsteuerabzug für alle Anschaffungen. Es ist daher zu prüfen, ob eine Umsatzsteuerbefreiung im Einzelfall tatsächlich vorteilhaft ist.

Rechnungstellung bei „Kleinunternehmerregelung“

Nehmen Freiberufler die Kleinunternehmerregelung in Anspruch, dürfen sie im Gegenzug auf ihren Rechnungen auch keine Umsatzsteuer ausweisen. Die Kunden sind bei Rechnungstellung ausdrücklich auf die Umsatzsteuerbefreiung hinzuweisen.

Jede Rechnung muss mit folgendem Zusatz versehen werden:

„Gemäß § 19 UStG enthält der ausgewiesene Betrag keine Umsatzsteuer.“ Die Umsatzsteuerbefreiung entbindet natürlich nicht von der allgemeinen Steuerpflicht.

Hier finden Sie eine Rechnungsvorlage für Kleinunternehmer.