Rechtsformen für Gründer: Das sollten Sie wissen

1 year ago

Die Idee steht, das Produkt ist entwickelt, die Dienstleistung definiert. Jetzt kommt die schwierige Frage, in welcher Rechtsform Sie Ihr Start-up gründen sollten. Eines zur Entwarnung vorneweg: Ihre Entscheidung ist niemals in Stein gemeißelt. Sie können Ihre Rechtsform dem Unternehmenswachstum anpassen und jederzeit wechseln. Zwei grundsätzliche Aspekte müssen Sie dabei immer bedenken: die Haftungsrisiken und den Bedarf an Startkapital. Zudem ergeben sich aus den verschiedenen Rechtsformen unterschiedliche Buchführungspflichten. Wir spielen in diesem Blog-Beitrag die ersten vier Jahre des Startups „Service Held” durch, das auf dem Weg zum Erfolg viermal seine Rechtsform ändert und sich zwischen Alternativen entscheiden muss.

Vom Einzelkämpfer zur Personengesellschaft

Der Service Held der ersten Stunde erbringt persönliche Dienstleistungen zu definierten Honoraren. Er meldet ein Gewerbe an und nimmt im ersten Jahr die Kleinunternehmer-Regeln für sich in Anspruch. Das Kleingewerbe gehört zu den häufigsten Rechtsformen der Existenzgründer. Es ist formlos und damit fast kostenfrei zu gründen. In der Regel ist auch kein Startkapital nötig. Hinzu kommt: Der Existenzgründerzuschuss der Arbeitsagentur ernährt den Gründer in den ersten sechs Monaten. Als Kleingewerbetreibender haftet der Service Held mit seinem Privatvermögen für Schäden, die durch seine unternehmerische Tätigkeit entstehen. Im ersten Jahr erwirtschaftet der Service Held weniger als 17.500 Euro Umsatz und kann sich daher von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen. Er unterliegt bei der Buchführung lediglich der Pflicht, eine Steuererklärung mit einer formlosen Gewinnermittlung durch eine Einnahmen-Überschussrechnung beim Finanzamt für das erste Geschäftsjahr vorzulegen.

Wenn das Wachstum sich beschleunigt

Im zweiten Jahr steigert der Service Held seine Aufträge und Kunden. Deshalb nimmt er einen Partner an Bord. Um sich über Rechte und Pflichten nach innen und außen vertraglich zu einigen, gründen die beiden Helden eine GbR. Dies ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Die GbR gehört zu der Gattung der Personengesellschaften. Sie wird nach den §§ 705 bis 140 des Bürgerlichen Gesetzbuches gegründet. Auch die GbR kann formlos gegründet werden; es ist jedoch ratsam einen GbR-Vertrag aufzusetzen. Für die Gründung ist kein Startkapital erforderlich. Die Gesellschafter haften mit ihrem Privatvermögen zu den vereinbarten Anteilen. Die Gründung der GbR ist dem Gewerbeamt mitzuteilen. Bei Freiberuflern ist sie dem Finanzamt anzuzeigen, die die GbR dann als einen „Steuerkunden” führt. Wie Einzelgewerbetreibende müssen die Gesellschafter ab über 17.500 Euro Umsatz eine förmliche Einnahmen-Überschussrechnung aufstellen. Eine Bilanzierungspflicht tritt bei einer GbR erst ein, wenn ab dem Jahr 2016 ein Umsatz von mehr als 600.000 Euro oder ein Gewinn von über 60.000 Euro erzielt wird. Bis 2015 lagen die Grenzen bei über 500.000 Euro Umsatz oder mehr als 50.000 Euro Gewinn.

Personengesellschaften mit Handelsregistereintragung

Die GbR als Rechtsform ist aber nur für Gewerbetreibende und Freiberufler zulässig. Als die beiden Service Helden im dritten Geschäftsjahr mit einem schwunghaften Produkthandel beginnen, müssen sie wieder ihre Rechtsform ändern. Generell denken die beiden nun das erste Mal ernsthaft daran, eine Kapitalgesellschaft zu werden. Die naheliegende Rechtsform wäre für sie die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Dafür fehlt ihnen jedoch das erforderliche Startkapital in Höhe von 25.000 Euro. Also rät ihnen ihre örtliche IHK, in eine Offene Handelsgesellschaft (OHG) zu wechseln. Dafür benötigen sie kein Mindestkapital. Allerdings ist der Gründungsaufwand größer als bei der GbR. Denn die OHG ist ins Handelsregister einzutragen. Die Partner haften mit ihrem Privatvermögen.

Die Mischform der KG: Halb Personen-, halb Kapitalgesellschaft

Alternativ zur OHG könnten die Service Helden auch eine Kommanditgesellschaft (KG) als Rechtsform wählen. Sie ist vorteilhafter bei den Haftungsregeln. Eine KG gründen mindestens zwei Personen. Es gibt zwei Formen, wie natürliche oder juristische Personen sich an einer KG beteiligen können: Diese werden Kommanditisten und Komplementäre genannt. Kommanditisten sind Personen oder Firmen, die sich lediglich mit einer Kapitaleinlage beteiligen. Sie haften dann bis zu der Höhe dieser Einlage, sind aber auch von der Geschäftsführung ausgeschlossen. Die Komplementäre vertreten die KG nach außen als Geschäftsführer und haften unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen. Vorteil der KG für die Service Helden ist, dass sie für die Anschaffung ihrer Handelsgüter einen Kommanditisten gewinnen könnten, der sie mit seinem Kapital unterstützt. So ein Kommanditist kann beispielsweise ein reicher Onkel aus der Familie sein, ein Business Angel oder auch eine Förderbank, die als Komplementär Eigenkapital zur Verfügung stellt. Eine weitere Variante, einen Komplementär für die Service Helden zu gewinnen wäre, dass sie ihren Lieferanten der Handelsgüter vorübergehend als Komplementär aufnehmen, und der die Ware dafür als Kapitaleinlage zur Verfügung stellt. Dann würde die KG die Rechtsform einer GmbH & Co. KG wählen. Der Komplementär wäre in der Rechtsform einer GmbH als Kapitalgeber involviert, der bis zur Höhe seiner Einlagen haftet.

Kapitalgesellschaften sind für mittelgroße Start-ups die besten Rechtsformen

OHG und KG unterliegen der Eintragung ins Handelsregister mit den vollumfänglichen Buchführungspflichten. Dann reicht keine EÜR mehr; vielmehr wird das Unternehmen bilanzpflichtig und muss einen Jahresabschluss mit Bilanz und Gewinn und Verlustrechnung (GuV) vorlegen. Dies gilt auch für Kapitalgesellschaften; dafür bieten sie aber einige Vorteile bei der Haftung. Denn je größer ein Unternehmen wird, desto größer werden die Risiken; beispielsweise durch Gewährleistungsansprüche. Zu den Rechtsformen der Kapitalgesellschaften gehören die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), die Aktiengesellschaft (AG), die englische Limited (Ltd.), die Unternehmergesellschaft (UG) die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) oder die eingetragene Genossenschaft (eG).

Die häufigste Rechtsform in der Wachstumsphase ist die GmbH

Die Service Helden gründen nun im vierten Geschäftsjahr eine GmbH. Sie haften künftig nur mit dem eingelegten Kapital in Höhe von 25.000 Euro. Dieses müssen sie zum Stichtag der Gründung auf einem Geschäftskonto nachweisen. Als Privatpersonen haften sie lediglich dann, wenn sie bei der Ausübung ihrer Geschäftsführertätigkeit ihre Sorgfaltspflicht verletzen oder sich gar grob pflichtwidrig verhalten. Eine Insolvenzverschleppung ist hier der klassische Fall eines pflichtwidrigen Verhaltens. Für die Gründung einer GmbH reicht ein Gesellschafter aus; in der Regel sind es mindestens zwei und je nach Finanzierungsstrategie auch mehr. Vorteil der GmbH ist, dass neben natürlichen Personen auch juristische Personen wie die weiter oben beschriebenen OHG oder GbR an einer GmbH beteiligt werden können. Will aber ein Gesellschafter ausscheiden, ist dies wiederum über einen Notar zu beglaubigen und im Handelsregister einzutragen.

Aktiengesellschaft bietet größte Flexibilität bei Wechseln auf Kapitalseite

Einfacher ist ein solcher Wechsel auf der Kapitalseite bei der Rechtsform der Aktiengesellschaft. Eine AG muss nicht an die Börse gehen, sondern ist als Rechtsform zunächst ebenfalls ins Handelsregister einzutragen, vollumfänglich buchführungspflichtig und unterliegt zudem je nach Größe weiteren Publizitätspflichten. Bei der AG legen die Gesellschafter anteilig Kapital ein. Das Grundkapital einer AG beträgt mindestens 50.000 Euro. Die Haftung der Anteilseigner erstreckt sich maximal auf die Höhe des gezeichneten Kapitals. Für die Gründung ist ein Gesellschaftervertrag zu schließen und eine Satzung aufzustellen. Dann muss ein Vorstand und ein Aufsichtsrat sowie ein Wirtschaftsprüfer bestellt werden. All dies ist mit hohen Kosten verbunden. Allerdings kann jederzeit ein Gesellschafterwechsel erfolgen; ein Verkauf der Anteile mit schriftlichem Vertrag reicht.

Fazit

Diese scherenschnittartige Darstellung der Rechtsformen für Existenzgründer konnte naturgemäß nur sehr grob erfolgen. Generell ist es wichtig, dass Sie sich als Gründer bei Ihrer IHK oder Handwerkskammer, bei Rechtsanwälten oder Steuerberatern wie felix1.de beraten lassen. Denn bei allen Rechtsformen lauern auch juristische Fallstricke. Und damit Sie sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren können, sollten Sie sich fachkundigen Beistand einholen.

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