Warum das Ganze? Was Buchführung für Einzelunternehmer bringt

3 months ago
Einzelunternehmer

Was bringt die Buchführung für Einzelunternehmer?

Auf den ersten Blick vor allem mehr Arbeit für den Kleinunternehmer oder Freiberufler. Tankquittungen oder Restaurantbelege dürfen nicht mehr in den dunklen Ecken des Schreibtisches ein einsames Dasein fristen. Diese unscheinbaren Belege bekommen einen neuen Status. Sie gehören ab sofort zur VIP-Liga in der Buchführung. Der Einzelunternehmer mutiert mit Beginn seiner Geschäftstätigkeit zum Jäger und Sammler. Jeder noch so kleine Beleg kann Geld in die Kasse spülen. Denn letztendlich sind die Nachweise bares Geld wert, wenn es am Ende eines Jahres um die Steuererklärung geht.

Ordnung ist die halbe Steuererklärung

Ein erster Schritt zum entspannten und professionellen Umgang mit dem Thema Steuern ist eine korrekt geführte Buchhaltung. Dies sollte vom ersten Tag der Firmengründung an die Hauptmaxime eines jeden Unternehmers sein. Denn wer schon im Kleinen für Ordnung sorgt, dem fällt der systematische Ausbau der Buchhaltung bei Wachstum und Erfolg nicht schwer. Die Buchführung ist vor allem aus steuerrechtlichen Gründen erforderlich. Aus den verbuchten Ausgaben und Einnahmen werden die Steuern für das Unternehmen berechnet. Dazu gehören:

  • Umsatzsteuer (bei Umsatzsteuerpflicht)
  • Gewerbesteuer
  • Einkommensteuer

Wobei die Einkommensteuer jeder Einzelunternehmer zu entrichten hat, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer fallen nur bei Bedarf an.

Buchhaltung für Einsteiger

Kleinere Unternehmen und Selbstständige können ihren Jahresgewinn und die Steuerlast mithilfe der so genannten einfachen Buchführung errechnen. Diese Form der Buchhaltung erleichtert bestimmten Personengruppen das Jonglieren mit den Zahlen. Es genügt, die Ein- und Ausgaben eines Geschäftsjahres in der „Einnahmen-Überschuss-Rechnung“ (EÜR) gegenüber zu stellen. Die einfache Buchführung nimmt die Schwierigkeit aus der Buchhaltung. Bezahlte Eingangsrechnungen werden auf der Ausgabenseite vermerkt und eingehende Zahlungen auf der Seite der Einnahmen. Aus der EÜR ergibt sich der Jahresgewinn oder Verlust, der am Jahresende in die eigene Einkommensteuererklärung als Einkünfte aus selbstständiger oder gewerblicher Tätigkeit einfließt. Unser e-Book “Buchhaltung im Schnelldurchgang” hilft Ihnen beim Einstieg in die wichtigsten Buchführungsthemen.

Die Auserwählten

Der Gesetzgeber hat klar festgelegt, welche Personengruppe zum erlauchten Kreis derer gehören, die in den Genuss der einfachen Buchführung kommen. Dazu zählen:

  • Freiberufler, unabhängig von Umsatz und Gewinn
  • Gewerbetreibende, die nicht im Handelsregister eingetragen sind und deren jährlicher Umsatz 600.000€ oder Gewinn 60.000€ nicht überschreiten

Die Vorteile der einfachen Buchführung

Gerade Freiberufler fehlt es zu Beginn ihrer Selbstständigkeit am nötigen Kleingeld, um einen Steuerberater zu beauftragen. Die EÜR ist keine Hexerei, sodass jeder Jungunternehmer seine Steuererklärung im Alleingang bewerkstelligen kann. Ein weiterer Vorteil der einfachen Buchführung besteht im so genannten Zufluss-Abfluss-Prinzip. Die Geschäftseinnahmen wirken sich bei der EÜR erst als Einnahmen steuerlich aus, wenn sie dem Unternehmen tatsächlich zugegangen sind. Ein möglicher Gewinn wird erst versteuert, wenn er in Form von Geld auf dem Bankkonto eingegangen ist.

Sammeln und archivieren

Wie bereits erwähnt, lohnt es sich für den Einzelunternehmer, die Sammelleidenschaft zu entdecken. Jede Rechnung und jeder Beleg, die mit Geschäftsfälle zusammen hängen, gilt es aufzubewahren. Dabei ist es egal, ob die Belege in einer Kiste, einem Ordner oder in einer Buchhaltungssoftware lagern. Es ist sinnvoll, sich anzugewöhnen alle Belege direkt abzulegen, sobald der Unternehmer sie in den Fingern hat. Das spart beim Erstellen der Steuererklärung eine Menge Zeit. Darüber hinaus ist es empfehlenswert die Belege nach „Einnahme“ und „Ausgabe“ zu ordnen.

Papiere fürs Amt

Auch wenn Einzelunternehmer nur die einfache Buchführung anwenden, benötigt das Finanzamt einige Unterlagen zur Berechnung der Steuerzahllast. Folgende Dokumente müssen daher beim Finanzamt immer eingereicht werden:

  • Einkommensteuererklärung
  • Einnahme-Überschuss-Rechnung

Wenn ein Einzelunternehmer nicht mehr als 17.500,- Euro Umsatz im Jahr erwirtschaftet, gilt er als Kleinunternehmer und muss seinen Kunden keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen. In diesem Fall muss weder eine ‚Umsatzsteuer-Voranmeldung‘ noch eine ‚Umsatzsteuererklärung‘ beim Finanzamt eingereicht werden. Mehr Informationen zu den Unternehmenssteuern finden Sie in unserem E-Book “Leitfaden Unternehmenssteuern